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Rumänienhilfe
aus Wegenstetten überzeugt
Carmen Hänggi verbrachte Mitte September
eine intensive Woche in Rumänien. Sie begleitete Georges
Brogle und Urs Brügger vom Verein "Rumänienhilfe
Wegenstetten" auf eine Art Inspektionsreise. Was sie
zu sehen bekam, stimmte die junge Frau nachdenklich. Carmen
Hänggi traf in Rumänien desolate medizinische Versorgungseinrichtungen
an.
Foto Zimmermann Wegenstetten. |
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Carmen Hänggi
Foto Zimmermann |
Auf dem Tisch im hellen Büro der Untersuchungsrichterin Carmen
Hänggi im zweiten Stock des Bezirksamtes Rheinfelden liegen
Fotos. Nein, sie stammen nicht von der Gewerbeschau 2001, wo Carmen
Hänggi am vergangenen Wochenende am Stand des Vereins "Rumänienhilfe
Wegenstetten" Prospekte verteilte. Es sind Aufnahmen aus dem
nordöstlichsten Zipfel von Rumänien.Dort verbrachte Carmen
Hänggi Mitte September eine intensive Woche. Sie begleitete
die beiden Vorstandsmitglieder Georges Brogle und Urs Brügger
auf eine Art Inspektionsreise.
Zweimal jährlich fliegt Vereinspräsident Brogle in den
Bezirk Suceava, um die laufenden Projekte zu kontrollieren und weitere
anzukurbeln. Über die Rumänienhilfe hatte Carmen Hänggi
schon einiges gehört, natürlich vor allem durch ihren
Chef, den Bezirksamtmann-Stellvertreter Peter Schmid, welcher als
Vereinskassier amtet und Rumänien vor einem Jahr bereiste.
Als sie schliesslich von Georges Brogle direkt angeprochen wurde,
ob sie nicht Lust hätte mitzukommen, habe sie kurzerhand ihre
Agenda konsultiert und sich dann spontan zur Mitreise entschieden.
"Auf welches Abenteuer ich mich einliess, wusste ich damals
natürlich nicht".
Zusammen mit ihren Begleitern wohnte Carmen Hänggi während
ihres Aufenthalts bei einer Familie in Straja. Von dort aus wurden
die verschiedenen Projekte des Vereins aufgesucht. Da war einmal
die Arztpraxis des einheimischen Arztes Aleodor Munteanu in Brodina.
Vom Verein übernommen, soll diese Praxis nun umgebaut werden.
Zurzeit befindet sie sich in einem äusserst desolaten Zustand
und verfügt nicht einmal über fliessendes Wasser. Jeder
Liter muss noch am Brunnen geholt werden. Wasserarmaturen sind zwar
vorhanden,aber der Anschluss wurde nie hergestellt.
Der Verein beabsichtigt nun, unter dem gleichen Dach noch eine Zahnarztpraxis
sowie ein Optikerzentrum einzurichten. "Damit soll ein möglichst
grosser Teil der Bevölkerung in diesem Riesengebiet in den
Genuss einer medizinischen Betreuung kommen", erklärt
Carmen Hänggi."Unbeschreibliche Zustände"Sie
nimmt weitere Fotos zur Hand, die halb eingestürzte Hausmauern
und mit Blachen dürftig abgedeckte Dächer zeigen. Hier
sei alles mindestens 50 Jahre im Rückstand. Dass der Gips von
den Decken splittert, Regenwasser durch das undichte Dach in die
Räume tropft, so dass überall Töpfe aufgestellt werden
müssen, davon erzählt sie. Und wie feucht und dunkel die
Zimmer sind, dass es den Besucher schaudert. "Ich habe manchmal
daran gedacht, dass in der Schweiz längst der Tierschutz aufgetaucht
wäre, weil bei uns nicht einmal die Tiere so gehalten werden
dürfen."
Häufig fehle es den Leuten an Geld, um den Strom zu bezahlen,
weshalb sie Petrollampen benutzen. "Als wir ihnen Kerzen verteilten
mit dem Hinweis, diese könnten auch als Lichtquelle benutzt
werden, schauten sie uns nur ungläubig an. Sie kennen dort
die Kerzen nur im Zusammenhang mit einer Beerdigung."
Während zweier Tage war die Fricktaler Equipe mit einem voll
gestopften Auto unterwegs, um Kleider, Wäsche und Nahrungsmittel
direkt an bedürftige Familien zu verteilen. Je nach Gutdünken
und Gefühl hielten sie an und gingen, mit Unterstützung
einer Dolmetscherin, auf die Bewohner zu und fragten sie nach ihren
Bedürfnissen. "Da spielten sich unbeschreibliche Szenen
ab. Die Menschen konnten es häufig nicht glauben, dass sie
nun plötzlich neue Schuhe oder einen warmen Mantel bekommen
sollten."
Nun ist Carmen Hänggi schon seit rund einen Monat wieder zurück
in der Schweiz. "Hier wurde es mir so richtig bewusst, in welchem
Überfluss wir eigentlich leben. Und mit welchen kleinen Problemen
wir uns abgeben." Das Engagement des Vereins "Rumänienhilfe
Wegenstetten" habe sie voll überzeugt.
"Vor allem, dass die Leute aus der Schweiz selber nach Rumänien
reisen und sämtliche Reisekosten aus ihrem eigenen Sack zahlen."
So komme wirklich alles den Bedürftigen zugute. Schon jetzt
ist Carmen Hänggi klar, dass sie nicht zum letzten Mal in Rumänien
gewesen ist.
Madlen Blösch
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